Wer einen guten Einstieg in die Kinderbücher von Matt Haig sucht, steht schnell vor einer kleinen, aber wichtigen Auswahlfrage: Weihnachtsfantasy, Tierabenteuer oder eine Geschichte über Selbstakzeptanz? Ich zeige, welche Titel sich für welches Alter eignen, in welcher Reihenfolge die Weihnachtsreihe gelesen wird und warum die Bücher auch für die Leseförderung interessant sind.
Die wichtigsten Kinderbücher von Matt Haig auf einen Blick
- Ein Junge namens Weihnacht eröffnet die beliebte Weihnachtsreihe.
- Evie und die Macht der Tiere eignet sich laut Verlagsangabe für Kinder ab 9 Jahren.
- Die Geschichten verbinden Fantasie, Humor und ernste Gefühle.
- Viele Bücher eignen sich zum gemeinsamen Vorlesen, auch wenn Kinder bereits selbst lesen können.
- Illustrationen von Chris Mould und Emily Gravett geben den Geschichten eine eigene visuelle Atmosphäre.

Wer der britische Autor ist und was seine Kinderbücher auszeichnet
Matt Haig wurde 1975 in Sheffield geboren und schreibt Romane, Sachbücher sowie Geschichten für Kinder und Jugendliche. Im Kinderbuchbereich wurde er unter anderem mit dem Blue Peter Book Award und dem Smarties Book Prize ausgezeichnet; außerdem war er mehrfach für die Carnegie Medal nominiert.
Seine Kinderbücher sind selten reine Wohlfühlgeschichten. Hinter sprechenden Tieren, Elfen oder magischen Abenteuern liegen Themen wie Ausgrenzung, Mut, Verlust, Zugehörigkeit und Selbstvertrauen. Genau diese Verbindung gefällt mir: Kinder bekommen eine spannende Handlung, während Erwachsene Gesprächsanlässe entdecken, ohne dass die Geschichte wie eine Unterrichtsstunde wirkt.
Typisch ist auch der Wechsel zwischen Humor und dunkleren Momenten. Ein Troll kann gefährlich sein, ein Waisenmädchen kann in großer Not leben und ein Kind kann sich mit einem schwierigen Geheimnis allein fühlen. Für jüngere oder empfindliche Leserinnen und Leser sollte man deshalb das empfohlene Alter ernst nehmen und bei Bedarf gemeinsam lesen.
Mit welchem Kinderbuch der Einstieg besonders gut gelingt
Für Familien, die den Autor noch nicht kennen, würde ich zuerst zwischen zwei sehr unterschiedlichen Einstiegen wählen. Ein Junge namens Weihnacht passt zu Kindern, die klassische Magie, große Abenteuer und eine ausführliche Vorlesegeschichte mögen. Evie und die Macht der Tiere ist die bessere Wahl für Kinder, die Tiere, Spannung und eine moderne Heldin bevorzugen.
| Buchtitel | Geeignet für | Was im Mittelpunkt steht |
|---|---|---|
| Ein Junge namens Weihnacht | etwa ab 8 Jahren, zum Vorlesen früher | Magie, Freundschaft, Mut und die Entstehung des Weihnachtsmanns |
| Das Mädchen, das Weihnachten rettete | etwa ab 8 Jahren | Amelia, ein bedrohtes Wichtelreich und die Kraft der Hoffnung |
| Ich und der Weihnachtsmann | für geübte Leserinnen und Leser der Reihe | Zugehörigkeit, Vorurteile und ein Konflikt zwischen Wichteln und Kaninchen |
| Eine Weihnachtsmaus namens Miika | etwa ab 6 Jahren zum Vorlesen | Freundschaft, Außenseitertum und ein mutiges kleines Tier |
| Evie und die Macht der Tiere | laut dtv ab 9 Jahren | Tiersprache, Verantwortung und der Umgang mit außergewöhnlichen Fähigkeiten |
Die Altersangaben sind keine Prüfungen, die ein Kind bestehen muss. Entscheidend sind Leseflüssigkeit, Konzentration und emotionale Reife. Ein achtjähriges Kind kann eine Weihnachtsgeschichte bereits selbst lesen, während ein anderes sie lieber über mehrere Abende gemeinsam hört. Gerade diese gemeinsame Form stärkt oft die Freude am Lesen stärker als ein zu früh ausgesuchtes Buch zum Alleinlesen.
Die Weihnachtsreihe in der richtigen Reihenfolge
1. Ein Junge namens Weihnacht
Im ersten Band geht es um den elfjährigen Nikolas, der in Finnland in einfachen Verhältnissen lebt und sich auf eine gefährliche Reise zum Nordpol begibt. Dort begegnet er Rentieren, Elfen und einem gewalttätigen Troll. Die Geschichte erklärt auf fantasievolle Weise, wie aus einem Jungen der Weihnachtsmann wird.
Ich halte diesen Band für den stärksten Einstieg, weil er Abenteuer und Gefühl gut ausbalanciert. Die Handlung ist spannend genug für erfahrene Leser, bietet aber durch die Illustrationen von Chris Mould auch beim Vorlesen viele Pausen für Gespräche und gemeinsames Betrachten.
2. Das Mädchen, das Weihnachten rettete
Die achtjährige Amelia lebt als Waisenmädchen unter schwierigen Bedingungen und hofft auf Hilfe vom Weihnachtsmann. Gleichzeitig gerät das Wichtelreich in Gefahr, der Weihnachtszauber wird schwächer und eine Trollverschwörung bedroht das Weihnachtsfest.
Der zweite Band ist emotional etwas schwerer, weil Armut und Einsamkeit eine größere Rolle spielen. Dafür zeigt er besonders klar, dass auch ein scheinbar machtloses Kind etwas verändern kann. Für Familien, die über Hilfsbereitschaft und Hoffnung sprechen möchten, ist das eine ergiebige Vorlesegeschichte.
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3. Ich und der Weihnachtsmann
Im dritten Teil lebt Amelia inzwischen im Wichtelreich. Dort fühlt sie sich trotz ihrer besonderen Stellung nicht automatisch zugehörig. Eine alte Fehde zwischen Wichteln und Kaninchen flammt wieder auf, während der Osterhase das Weihnachtsfest zurückdrängen möchte.
Dieser Band funktioniert am besten, wenn die ersten beiden Geschichten bekannt sind. Sein wichtigstes Thema ist für mich die Frage, wer dazugehören darf. Amelia bleibt ein Menschenkind und muss sich in einer Welt behaupten, deren Regeln sie nicht selbst gemacht hat. Das macht den Roman auch für Gespräche über neue Schule, Freundschaften und Gruppendruck interessant.
Eine Weihnachtsmaus namens Miika ist ein ergänzendes Abenteuer aus derselben Welt. Die Maus möchte nicht länger ein Außenseiter sein und erlebt eine Geschichte über Freundschaft, Mut und die Suche nach dem eigenen Platz. Das Buch kann grundsätzlich unabhängig gelesen werden und eignet sich besonders gut für jüngere Kinder, die eine kürzere, humorvolle Weihnachtsgeschichte mögen.
Was Evie und die Macht der Tiere besonders macht
Die elfjährige Evie kann die Gedanken von Tieren hören. Was zunächst wie ein wunderbares Talent klingt, wird gefährlich, als ein Mann mit derselben Fähigkeit auftaucht und Tiere kontrollieren will. Evie muss sich entscheiden, ob sie ihre Gabe versteckt oder Verantwortung übernimmt.
Der Roman ist mit 256 Seiten deutlich umfangreicher als ein typisches Vorlesebuch für jüngere Kinder. Gleichzeitig sorgen die Tierfiguren, die rasche Handlung und die Illustrationen von Emily Gravett für einen zugänglichen Einstieg. Ich empfehle das Buch vor allem Kindern, die schon längere Kapitel bewältigen und gerne über mehrere Tage an einer Geschichte weiterlesen.
Inhaltlich geht es nicht nur um Tiere. Evie muss lernen, dass eine besondere Fähigkeit allein noch keine gute Entscheidung garantiert. Die Geschichte stellt Fragen nach Verantwortung, Macht und dem Schutz von Lebewesen, ohne dabei belehrend zu werden. Für die Leseförderung ist das hilfreich, weil sich nach einzelnen Kapiteln leicht Vermutungen, Figurenentscheidungen und alternative Lösungen besprechen lassen.
Welche Themen Eltern vor dem Kauf kennen sollten
Die Bücher verbinden Leichtigkeit mit ernsteren Motiven. In der Weihnachtsreihe kommen Armut, Verlust, Einsamkeit und Bedrohung vor. Das wird meist durch Witz und Fantasie aufgefangen, kann empfindliche Kinder aber trotzdem beschäftigen. Ich würde deshalb nicht nur auf das Alter schauen, sondern auch darauf, wie ein Kind mit spannenden oder traurigen Szenen umgeht.
Ein weiterer Punkt ist der Umfang. Ein Junge namens Weihnacht umfasst in der deutschen Ausgabe 272 Seiten, Das Mädchen, das Weihnachten rettete sogar 336 Seiten. Für ungeübte Leser ist das kein Nachteil, wenn das Buch vorgelesen wird. Beim selbstständigen Lesen kann ein dicker Roman jedoch zunächst einschüchternd wirken.
Auch die Illustrationen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Chris Mould arbeitet mit einer eher märchenhaften, manchmal leicht düsteren Bildsprache. Emily Gravett unterstützt bei Evie dagegen vor allem die Tierwelt und den schnellen Abenteuercharakter. Ich würde die Bücher deshalb nicht nur nach dem Klappentext, sondern auch nach der visuellen Stimmung auswählen.
Bei den derzeit gelisteten deutschen Ausgaben reicht die Preisspanne ungefähr von 9,95 Euro für ein Taschenbuch bis zu 18 Euro für eine gebundene Ausgabe. Hörbücher liegen je nach Ausgabe bei etwa 14 bis 20 Euro. Für das erste Kennenlernen ist ein gebrauchtes Taschenbuch oder ein Hörbuch oft die praktischere Wahl, während gebundene Ausgaben als Geschenk besonders schön wirken.
Welcher Titel passt zu welchem Leseanlass
- Für die Adventszeit: Mit Ein Junge namens Weihnacht beginnt die Reihe am stimmigsten. Die Geschichte lässt sich gut in tägliche Vorleseabschnitte teilen.
- Für Kinder mit Tierliebe: Evie und die Macht der Tiere bietet mehr Spannung und eignet sich für längere Lesestrecken.
- Für jüngere Zuhörer: Eine Weihnachtsmaus namens Miika ist wegen der überschaubaren Handlung ein guter Einstieg ins gemeinsame Lesen.
- Für Gespräche über Zugehörigkeit: Ich und der Weihnachtsmann zeigt, wie schwierig es sein kann, zwischen verschiedenen Gruppen zu stehen.
- Für Leseanfänger mit Unterstützung: Ein Vorleser kann schwierige Passagen übernehmen, während das Kind einzelne Abschnitte oder Bildbeschreibungen liest.
Meine wichtigste Empfehlung lautet, nicht automatisch mit dem bekanntesten Titel zu beginnen. Ein Kind, das Weihnachten wenig spannend findet, wird durch die Weihnachtsreihe vermutlich nicht plötzlich zum Fan. In diesem Fall ist das Tierabenteuer rund um Evie der viel bessere Türöffner.
Warum diese Bücher in vielen Familien länger nachwirken
Die Kinderbücher von Matt Haig erzählen von fantastischen Figuren, sprechen aber sehr reale Gefühle an. Kinder dürfen Angst haben, anders sein, Fehler machen und trotzdem ihren Platz finden. Genau darin liegt für mich ihre größte Stärke.
Für die Leseförderung muss man daraus kein Arbeitsblatt machen. Oft reichen drei einfache Fragen nach dem Lesen: Was hat die Figur gefühlt? Welche Entscheidung war mutig? Was hättest du selbst getan? So wird aus einer spannenden Geschichte ein Gespräch, das Lesen und Empathie miteinander verbindet.